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17.02.2012 13:15 | Trier (Stadt) | Trier (Stadt)

Messgewand zur Heilig-Rock-Wallfahrt ist Handarbeit vom Niederrhein

Mariendonk/Trier – Es sieht fast so aus, als würde Schwester Mirjam Pesch an einem großen Konzertflügel sitzen. Mal macht sie große, ausladende und kraftvolle Bewegungen, dann beugt sie sich tief über ihren Arbeitsplatz, mit großer Konzentration spielen ihre Finger auf engem Raum zusammen. Doch statt einer Melodie ist in dem Obergeschoss der Abtei Mariendonk, idyllisch gelegen am Niederrhein, nur ein hölzernes Klacken zu hören. Das Werk, an dem die Benediktinerin arbeitet, ist von längerer Dauer als flüchtige Töne. Die 51-jährige Ordensfrau webt das Gewand für die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012, das Bischof Dr. Stephan Ackermann und dann andere Zelebranten tragen werden.

Schwester Mirjam hat das Gewand vom ersten Entwurf bis zum letzten Faden begleitet. Am Anfang stand eine Skizze des Trierer Weihbischofs Jörg Michael Peters, der sich schon für die Wallfahrt 1996 als Sekretär von Bischof Hermann Josef Spital um das Gewand zur Wallfahrt gekümmert hat, das damals ebenfalls aus Mariendonk kam. Gemeinsam mit Schwester Mirjam hat er die Skizze weiterentwickelt. In Handarbeit hat sie an ihrem Webstuhl sechs Wochen lang mehr als zwölf Kilometer Seidenfäden zu dem festlichen Gewand verwoben. „Die Technik des Webens ist schon uralt“, sagt Schwester Mirjam. Auch ihr Webstuhl hat schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. „Der war jedenfalls schon da, als ich hier angefangen habe“, erinnert sie sich zurück. Das war vor rund 30 Jahren. Als sie im Noviziat war, wurde jemand für die Weberei gesucht. „Ich habe gesagt, dass ich das mal ausprobiere“, sagt sie und muss lächeln. 1993 legte sie die Meisterprüfung ab, leitet inzwischen die Paramentenwerkstatt der Abtei. Wie viele Gewänder sie seither gewoben hat? „Ich habe nicht gezählt“, sagt sie.

Etwas Besonderes ist das Gewand für die Heilig-Rock-Wallfahrt dennoch. Es erzählt eine eigene Geschichte. Je aufmerksamer man es betrachtet, desto mehr Details offenbart es. „Für mich ist wichtig, welches theologische Denken, welche Idee dahinter steht. Nichts ist zufällig“, sagt Weihbischof Peters und weist darauf hin, dass das Gewand unterschiedlich wirkt, je nachdem, ob man es aus der Ferne oder aus der Nähe betrachtet. Die rote Wolle überwiegt, doch es ist nicht einfach nur ein roter Farbton: Es gibt viele unterschiedliche, je nach Blickwinkel und Lichteinfall mal dunkel, mal flammend hell. „Es ist kein Gewand, das die ganze Zeit alles überstrahlt, das Rot ist meist nicht freudig, sondern leidensschwer“, sagt seine Schöpferin. „Der Farbton soll facettenreich sein. So wie der Heilige Rock und natürlich auch die Auferstehung Christi viele verschiedene Facetten haben.“ „Das Rot steht für die Hingabe Jesu am Kreuz“, ergänzt Peters. Und obwohl Rot die bestimmende Farbe ist, haben auch das eingewebte Blau und Gold ihre Bedeutung: „Blau steht für die Gegenwart Gottes im Kreuz, das Gold für das Osterlicht, den Osterglanz“, sagt Peters.

Wer näher hinschaut, sieht auf dem Rücken ein stilisiertes Kreuz, bestehend aus einer geraden Bahn, die vom Saum nach oben geht und in ein halbrundes Schild mündet. Das deutet nicht nur die Querbalken des Kreuzes an, sondern erinnert auch an die Form des Heiligen Rocks. Nicht nur eine gerade Linie reicht nach oben, sondern zwei parallele, in gold und blau gehaltene Bahnen. Von jeder reichen kleine Verbindungen unterschiedlicher Länge in Richtung der Mitte. Sie scheinen von beiden Seiten aufeinander zuzustreben, treffen sich aber nicht. „Meine Idee war, so den Leitspruch der Wallfahrt darzustellen“, erklärt Schwester Mirjam: „und führe zusammen, was getrennt ist“. Sie deutet auf die Verzweigungen. „Die Verbindungen versuchen zwar, zusammen zu kommen, aber es gelingt ihnen nicht, weil wir ja noch unterwegs zur Einheit sind.“

In unregelmäßigen Abständen sind über das Gewand deutliche Unebenheiten zu erkennen. Die sogenannten Noppen hat Schwester Mirjam aus blutrot gefärbter Wolle eingewebt. „Sie symbolisieren, wie auch die Gesamtfarbe des Gewandes, das Leiden Jesu am Kreuz“, erklärt die Benediktinerin. Mit dem Heiligen Rock hat das Gewand zudem eine handwerkliche Gemeinsamkeit – so wie die wertvolle Reliquie wird auch das Werk der Ordensfrau keine Naht haben. Es ist ungefüttert und ganz durchgewebt.

Rund ein Jahr lang hat die Arbeit an dem Gewand vom ersten Entwurf an gedauert. Und es wird ein Unikat bleiben, zu dem Schwester Mirjam eine besondere Beziehung behalten wird. „Jeder Weber hat seinen Anschlag“, erklärt sie, „deshalb arbeitet immer nur eine einzelne Person an einem Gewand. Sonst würde man später sehen, wo ein anderer Weber übernommen hat.“

„Das Gewand ist bewusst schlicht gehalten“, sagt Peters. „Und in moderner Optik. Auch der Gottesdienst bedarf einer gewissen Ästhetik.“ Wenn auch das Gewand für die Domkirche anlässlich der Christuswallfahrt entstehe, solle es doch später weiter im Gebrauch bleiben, als sichtbares Zeichen die Wallfahrtszeit mit der Zeit danach verbinden. „Ich wünsche mir, dass das Gewand während der Wallfahrt möglichst täglich getragen wird, und später an bestimmten Anlässen, wie die Gewänder von 1959 und 1996, die vor allem bei der Karfreitagsliturgie und dem Heilig-Rock-Fest im Dom zum Einsatz kommen.“ Ein besonderes Gewand für einen besonderen Anlass: „Doch“, stellt Weihbischof Peters klar, „das Gewand aus Mariendonk dient nicht dem Herausputzen des Zelebranten, sondern zeigt – wie übrigens alle liturgischen Gewänder – dass mit dem Tragen des Gewandes ein Dienstamt verbunden ist.“ Und damit sei es auch und vor allem ein Verweis auf Christus selbst, wie die Tunika Christi, der Heilige Rock.


Pressekontakt: Bistum Trier ( )
www.bistum-trier.de
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