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29.01.2012 15:34 | Speyer | Speyer (Stadt)

Gedenkgottesdienst zum 150. Todestag des seligen Paul Josef Nardini im Dom zu Speyer

Mit einem festlichen Gottesdienst im Dom gedachte das Bistum Speyer am Sonntag des seligen Paul Josef Nardini, dessen Todestag sich am 27. Januar zum 150. Mal jährte. In dem Pontifikalamt, das Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann leitete, würdigte der emeritierte Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach den 2006 selig gesprochenen Pfälzer Priester und Ordensgründer als Glaubens- und Lebenshelfer, aber auch als Anreger für die kirchliche Erneuerung.

Bischof Schlembach rief in seiner Predigt den Bericht über Nardinis Todesstunde in Erinnerung, den dessen Beichtvater Michael Sebastian Wittmann als Augenzeuge niedergeschrieben hatte. Dieses „zu Herzen gehende christliche und priesterliche Sterben“ offenbare den inneren Quellgrund, aus dem sich Nardinis Leben und Wirken speiste: „sein Leben mit Gott, seine gelebte Gemeinschaft mit Jesus Christus, seine Verbundenheit mit den Heiligen“.

Von dieser Grundoption des seligen Paul Josef Nardini gehe eine große Inspiration auch für das Christsein heute aus, erklärte Bischof Schlemmbach weiter. „Gott und Jesus Christus verstärkt zur Lebensquelle machen: das ist die Grundvoraussetzung für persönliche christliche Erneuerung.“ Hier liege auch die innere Triebfeder für das seelsorgliche Wirken Nardinis, das stets die kirchliche Erneuerung angestrebt habe. Auch heute ziele alles seelsorgliche Planen und Mühen auf einen kirchlichen Aufbruch. „Bei Nardini kann man dabei in die Schule gehen“, betonte der Bischof. Begonnen habe er seine Tätigkeit in Pirmasens unter geradezu hoffnungslosen seelsorglichen und sozialen Rahmenbedingungen. Bei seinem Tod elf Jahre später habe er eine lebendige und konsolidierte Pfarrei hinterlassen.

Von Nardini könne man lernen, dass der kirchliche Aufbruch gleichzeitig ein religiöser, ein moralischer und ein sozialer Aufbruch sein müsse. Insbesondere verwies Bischof Schlembach auf Nardinis Bemühen um eine feierliche Liturgie und die religiöse Unterweisung in Predigt und Unterricht. Ebenso stellte er aber auch seine Initiativen zur Eindämmung der sozialen Not heraus, die zur Gründung eines sozialen Schwesternordens führten. So bleibe Nardini eine augenöffnende Inspiration für den anstehenden kirchlichen Aufbruch, selbst wenn man heute nicht alle seine Maßnahme eins zu eins übernehmen könne und nach seinem Beispiel auch Neues gewagt werden müsse. „Wir wollen das Unsere tun, dass die Wirkungsgeschichte des seligen Paul Josef Nardini weitergeht, in unserem Leben, in unseren Pfarrgemeinden, in unserem Bistum“, appellierte der emeritierte Bischof, der 1990 das Seligsprechungsverfahren für Nardini auf den Weg gebracht hatte.

Zu Beginn des Gottesdienstes dankte Bischof Wiesemann seinem Vorgänger für dessen Einsatz für die Seligsprechung Nardinis. Der Selige sei ein Vorbild für die Gläubigen der Diözese Speyer, „ein Vorbild als Priester und Seelsorger, als Christ und Mensch“, der sich ganz in die menschliche Not hineinbegeben habe.

Für die festliche musikalische Gestaltung der Feier sorgten unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori der Domchor, die Dombläser sowie Domorganist Markus Eichenlaub unter anderem mit Palestrinas „Missa brevis“ sowie der Psalmenvertonung „Sicut cervus desiderat ad fontes“.

Seelsorger und sozialer Vorkämpfer
Paul Josef Nardini (1821-1862) gilt als herausragende Seelsorgergestalt und sozialer Vorkämpfer in der Zeit der beginnenden Industrialisierung. Als er 1851 Pfarrer in Pirmasens wurde, traf er in der noch kleinen Industriestadt, die sich damals zu einem Zentrum der Schuhherstellung entwickelte, auf großes soziales Elend. Armut und Hunger trieben viele Bewohner, insbesondere auch Kinder zum Hausieren oder gar Betteln. Um der Not zu begegnen, gründete er 1855 die Ordensgemeinschaft der 'Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie', die sich der Waisenkinder und der Kranken in der Pfarrei annahmen. Schon ein Jahr später konnte Nardini die ersten Schwestern in andere Orte der Pfalz und sogar ins rechtsrheinische Bayern schicken. Wie in Pirmasens sahen sie auch dort ihre Aufgabe in der Armen- und Krankenpflege und der Erziehung verwahrloster Kinder.

Ebenso vorbildlich wie in der Caritas engagierte sich Nardini in der Seelsorge. Zu seiner Pfarrei mit ihren 22 Filialen übernahm er 1858 auch noch das Amt des Dekans und im selben Jahr in staatlichem Auftrag die Aufsicht über die Volksschulen im Kreis Pirmasens. Auf sich selbst nahm der unermüdliche Priester und 'Armenvater' dabei keine Rücksicht. Gesundheitlich war er ohnehin schon seit langem angeschlagen. Im Januar 1862 erkrankte er an einer Lungenentzündung. Nach neun Tagen, am 27. Januar 1862, starb er - gerade 40 Jahre alt und viel zu früh für seine Ordensgemeinschaft, die zu dieser Zeit bereits 220 Schwestern zählte.

Weitere Informationen unter www.nardini.de


Pressekontakt: Bistum Speyer (pressestelle[at]bistum-speyer.de)
www.bistum-speyer.de
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